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Warschauer Brücke

Die Warschauer Brücke ist ein Brückenbauwerk, das über die Gleisanlage der Deutschen Bahn am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße führt. Die nach der polnischen Hauptstadt benannte Straße ist es auch, die über die Brücke führt. Genau hier fuhr die 1842 eröffnete Eisenbahnstrecke von Frankfurt an der Oder als einzige der neu erbauten Bahnstrecken durch die Zollmauer ins Berliner Stadtgebiet hinein. Im 19. Jahrhundert wurden es immer mehr Gleise, so dass ein Brückenbau irgendwann unausweichlich wurde. 1875 wurde die Warschauer Brücke über der Gleisanlage fertiggestellt, später jedoch oft umgebaut und erweitert.

img_1565Durch dem Dampf, den die damaligen Dampfloks ausstießen, korrodierte das erste Brückenbauwerk stark. Ab 1938 wurde westlich deshalb mit dem Bau einer neuen Brücke begonnen. Der Zweite Weltkrieg machte den Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Was erbaut wurde, wurde von einem Bombentreffer gleich wieder zerstört. Erst 1948 konnte die Brücke wieder passierbar gemacht werden.

U-Warschauer Straße auf der Warschauer BrückeViele Anlagen des ehemaligen Schlesischen Güterbahnhofs existieren heute nicht mehr. Stattdessen befindet sich in der Nähe der Warschauer Brücke mit der Mercedes-Benz Arena eine Multifunktionshalle für Veranstaltungen aller Art. S- und U-Bahnhof Warschauer Straße sind noch vorhandene und wichtige Verkehrsknotenpunkte im öffentlichen Personennahverkehr. Mehr als 85.000 Menschen steigen hier täglich um, auch in die Straßenbahnen, die hier ebenfalls halten. Dank der guten Infrastruktur sind Immobilen in dieser Gegend sehr beliebt.

Party statt Verkehre

Warschauer BrückeSeit einigen Jahren ist die Warschauer Brücke Revier des hippen Berliner Partyvolks. Freitagabend zieht es die Jungen wie magisch auf die Brücke. Mit einem Bier in der Hand setzten sie sich auf den Boden. Ein Musiker neben dem anderen spielt seine Stücke, oft überlagert sich der Sound, so viele von ihnen zieht es hierher. Mobile Händler sorgen für Alkoholnachschub. Und wo gefeiert wird, da werden leider auch Drogen konsumiert.

Die Stimmung auf der Warschauer Brücke ist ausgelassen. Das Publikum sehr international. An lauen Sommerabenden ist hier kein Platz mehr zu bekommen. Ein wirres Soundgewirr aus Sprachfetzen und Verstärkerklängen. Man teilt seinen Vodka, tauscht Nummern aus und zieht mit neuen Bekanntschaften weiter in die Clubs der Stadt. Jeder Reiseführer der was auf sich hält bezeichnet die Warschauer Brücke als Hotspot für das Partyvolk.

Warschauer Brücke / U-Bahn Linie 1Warum gerade dieser Ort eine so hohe Anziehungskraft hat? Man kann nur mutmaßen. In der Umgebung befinden sich viele Hotels und Hostels, Mitte ist nicht weit. Vor allem aber der Blick von der Brücke auf die Skyline des Zentrums samt Berliner Fernsehturm ist verzaubernd. Die Bierversorgung ist sichergestellt, der Geldbeutel wird kaum strapaziert.

Was Touristen und Reiseführer lieben ist für die Anwohner zur Qual geworden. An Wochenenden geht es erst um Mitternacht richtig los auf der Warschauer Brücke. Niemand geht vor dem Morgengrauen und auch dann wird ausgelassen weitergefeiert. Die Lärmbelästigung ist hoch und die Stadtreinigung hat am nächsten Morgen jede Menge zu tun.

Statt Verbote auszusprechen versucht Berlin das Problem mit der Bitte um Nachsicht in den Griff zu bekommen. Feiernde sollen auf die Anwohner in den angrenzenden Immobilen Rücksicht nehmen. Wird es zu heftig, greift die Polizei ein. Doch die ist hier vor allem wegen der Taschendiebe stationiert. Den wo viele Leute sind, bleibt Kriminalität nicht aus.

 

East Side Gallery

Die East Side Gallery repräsentiert ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte und ist sicherlich die Top-Attraktion in Berlin-Friedrichshain. Das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer ist über 1.300 Meter lang. Anders als zu DDR-Zeiten, als die Mauer kalt und grau war, erstrahlt sie nun in bunten Farben. Über 100 Künstler aus aller Welt haben sie nach der Wende mit ihren Motiven versehen und so zur Open-Air-Galerie gemacht.

2016-08-07-16-06-40Seitdem zum Teil weltberühmte Gemälde wie „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“ die Mauer zieren, hat sie sich in Windeseile zum Magnet für Touristen entwickelt. Schließlich ist es auch ohne Kunst am Bau schon schwer genug noch ein Stück Mauer in Berlin zu finden. Ein künstlerisch so aufgewertetes lassen sich Berlin-Besucher deshalb erst recht nicht entgehen.

Dabei müssen wir uns glücklich schätzen, die East Side Gallery heute überhaupt noch zu haben. Denn ursprünglich war geplant, die bemalten Mauerstücke in einer Ausstellung um die Welt zu schicken um sie anschließend zu versteigern. Das letzte zusammenhängende Stück Berliner Mauer wäre auf diese Weise zerstückelt und unwiederbringlich in der Welt verteilt worden, möglicherweise auch noch an Privatperson, die dieses für Deutschland so wichtige Stück Geschichte der Öffentlichkeit entzogen hätten.

Doch Berlin erkannte den Wert des ehemaligen Mauerstreifens noch rechtzeitig und stellte ihn nur ein Jahr nach der Eröffnung im September 1990 unter Denkmalschutz. Ganz so wie damals steht die Freiluftgalerie jedoch nicht mehr am Spreeufer. Einzelne Teilstücke wurden zugunsten von Immobilen entfernt und woanders wieder aufgestellt. Das Areal in guter Lage ist beliebt, Friedrichshain ein immer populärerer Stadtteil der Hauptstadt. Entsprechend müssen immer wieder Kompromisse gefunden werden um die Erinnerung an die Vergangenheit zu wahren und die Weiterentwicklung der Stadt nicht zu behindern. Angesichts des Bevölkerungszustroms kommt Berlin um neue Immobilien nicht umher.

2016-08-07-16-07-26Die Durchbrüche aber haben der East Side Gallery nichts von ihrer Anziehungskraft genommen. Mittlerweile musste die Mauer, die direkt an einer vielbefahrenen Straße steht, mehrfach saniert werden, um ihre Malereien zu erhalten. Seit 2009 handelt es sich bei den Gemälden nicht mehr um die Originale der Wendezeit, sondern um Repliken, die die Künstler zum Teil selbst wieder auf das Mauerwerk malten. Die Originalbilder haben unter Witterungseinflüsse, aber leider auch Graffitis, stark gelitten.

Die Besuchermassen zum einen, der Vandalismus aber zum anderen, haben mittlerweile sogar dazu geführt, dass ausgerechnet die Mauer selbst, die einst die Deutsche Demokratische Republik abriegelte, von einem Zaun geschützt werden muss. Mit einem Selfie vor der Wand geben sich nämlich nur wenige Besucher zufrieden. Vor allem jüngere sind der Meinung sich im Symbol deutscher Geschichte verewigen zu müssen. Zum Teil mit brachialen Mitteln.

East-Side-Gallery
East-Side-Gallery

Die East Side Gallery in Friedrichshain hat für Berlin und ganz Deutschland eine historisch wie künstlerisch so bedeutende Rolle, dass Denkmalschützer den Berliner Senat bereits vor Jahren dazu aufgefordert haben, einen Aufnahmeantrag ins Weltkulturerbe der UNESCO zu stellen. So immerhin könnte die Bedeutung der Mauergalerie auch international unterstrichen und eine weitere Zerstückelung durch Immobilienprojekte verhindert werden. Das würde auch für die vorhanden Immobilen in der Umgebung der Gallery eine Aufwertung bedeuten.